Christus ruft uns beim Namen

Osterfeuer
Bildrechte Pfarramt Weißenbach

Liebe Leserin, lieber Leser

Ende Januar im Supermarkt meiner Heimatstadt – das Aufeinandertreffen – neuhochdeutsch Showdown: im gleichen Gang – Weihnachtsmänner und gleichzeitig im Regal dahinter jetzt  schon Osterhasen - heftig – so etwas bringt mich zum Nachdenken:

1. Wirklich süß, wie der Weihnachtsmann so zwinkert – goldig – irgendwie gehört's ja dazu, aber das sind nicht die tiefen Bilder, die mir die Weihnachtszeit für mein Herz geschenkt hat.

2. Ein Osterhase ist nun nicht das Bild, das mir Ostern wirklich  näher bringt!

Zu 1. : Also Weihnachtsbilder nehme ich in meinem Inneren wirklich mit ins Jahr: die Familie beim gemeinsamen Essen, die Dankbarkeit, dass wir uns friedvoll und (noch oder wieder) gesund erleben dürfen, das Leben durch die Generationen, das sich Weihnachten feiert, das Zusammensein mit Freunden, die wunderschöne Krippe unter dem Weihnachtsbaum und die Mini-Eskimo-Krippe aus dem Weltladen, die Sternsinger, wie sie bei ihrem Singen im Wohnzimmer einer alten Nachbarin ihre Herzen öffnen und ein Strahlen über das Gesicht der lieben alten Frau geht. Wunderschöne Bilder bleiben. Ich schließe sie in mein Herz ein – ein kostbarer Schatz in meinem Herzen.

2. Welche Bilder sollen mir Ostern ins Herz kommen – also klar der Osterhase muss sein und das Nestersuchen mit „heiß“ und „ kalt“. Klar, Freude und Spaß muss sein, gehört dazu. Aber dann gibt es die Bilder, die die Tiefe des Glaubens versuchen zu erfassen. (Hier endet sozusagen die Kompetenz des Osterhasen).

Ich sehe da vor mir das Bild von der Heimkehr des verlorenen Sohne, das Bild auf dem Umschlag – es bezeugt die tiefe Barmherzigkeit des himmlischen Vaters – ja Gott ist barmherzig, das ist der Hauptsatz unseres Glaubens. Die Berührung des Heimgekommenen ohne Verurteilung, … und die Hoffnung, die eigentlich das Logische gewesen wäre – so vergibt Gott – das ist das Große an der Osterzeit. Dieses Bild will ich zuallererst in mein Herz hinein senken.

… und dann das Bild von Christus am Kreuz – die Unterschrift mit dem Herzblut des dreieinigen Gottes geschrieben – „ich gehe Mensch für dich bis in den Tod, ja bis in die Hölle (hinabgestiegen in das Reich des Todes), um dich dort aufzufangen und ins Reich der Himmel zu erheben“. Und dann das Bild von Jesus am Ostergrab mit Maria Magdalena –  sie glaubt es ist der Gärtner,  aber er ruft: „Maria!“ – und da erkennt sie ihn. Und dann fange ich in dieses Bild hinein die Namen meiner Lieben zu deklinieren, die Namen meiner Lieben einzufügen. Zuletzt auch mich selbst. Da ruft in meiner Vorstellung der Auferstandene  meinen Namen, und es hat etwas von dem, wie mich meine Mutter gerufen hat und etwas von dem, wie mich mein Vater  gerufen hat.                                                                                                                                                                    

Und in meiner Phantasie kann ich mir vorstellen, wie  Christus die Namen meiner Lieben ruft, und  die Hoffnung auf ein Wiedersehen wird gestärkt durch all diese Herzensbilder. So kann ich als Christ gut leben. Ich kann all das spielerisch-oberflächlich lassen und schmunzeln – und im gleichen oder besser im nächsten Atemzug mich hineinversenken in die in herrlichen Glaubenszeugnisbilder, die mein Herz aufrütteln, klären und stark machen und hoffnungsvoll gewiss.

Jetzt kann ich den Osterhasen entlassen von der Gesamtverantwortung, mir die Dynamik des Osterfestes abzubilden.  –  Das Gewicht liegt ganz woanders, wo es die Alten gefunden haben, in den wunderbaren Glaubenszeugnissen von Rembrandt, Grünewald oder den uralten durchbeteten Ikonen der Ostkirche. Da wartet ein herrliches Fest auf uns.

                                                                   Ihr Gerd Kirchner

 

 

 

 

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