Kirchengemeinde
Der Ort Geroda liegt am Fuße der Schwarzen Berge, erstmals 1167 erwähnt und könnte mit „Rodung des Gero“ ins Neuhochdeutsche übersetzt werden. Vermutlich entstand der Ort im Jahr 1150.
Geroda gehörte ursprünglich zur Pfarrei Brend, heute Brendlorenzen bei Bad Neustadt an der Saale. Im Jahr 1184 wurde Brend erstmals als Pfarrei genannt. Vermutlich Mitte des 12. Jh. wurde einer Kapelle in Geroda errichtet. Aufgrund der großen Entfernung zu Brend war Geroda schon früh sehr selbständig. Bereits vor 1345 gab es in Geroda einen Geistlichen, der alle pfarreilichen Dinge vornehmen durfte.
Am 20. Juli 1345 erhob der Würzburger Bischof Otto II. von Wolfskeel Geroda zur selbständigen Pfarrei. Das Patronatsrecht behielt das Kloster Bildhausen. Der Gemeindeteil Platz ist zwar bereits 1317 urkundlich erwähnt, von einer Filiale Platz der Pfarrei Geroda ist hingegen kein Hinweis vorhanden.
Valentin von Bibra wurde 1497 mit dem Patronatsrecht über die Kirche Geroda belehnt, 1522 erhielt er das Kirchenpatronat. Die Reformation wurde um 1550 in Geroda eingeführt und 1558 ein erster evangelischer Pfarrer bestellt. Vermutlich nahm Hans von Bibra den protestantischen Glauben an, jedoch war bereits sein Vater, Georg von Bibra, lutherfreundlich gesinnt.
1606 mussten die Bibras aufgrund von Schulden ihre Besitzungen in Geroda verkaufen und mit dem Verkauf gingen auch die Kirchenrechte auf die Herren von der Tann über. Diese unterbanden alle gegenreformatorischen Angriffe der Abtei Fulda und des Bistums Würzburg. So blieb Geroda evangelisch, inmitten einer vorwiegend katholischen Gegend.
Durch die Regentschaft Napoleons kam Geroda im Jahr 1816 zu Bayern. Seit 1929 ist die Kirchengemeinde dem Dekanat Lohr a.Main zugeordnet.
Auch heute ist Geroda mit dem Ortsteil Platz überwiegend evangelisch. Zur Kirchengemeinde gehören jedoch auch evangelische Christen aus den Orten bzw. Ortsteilen: Seifertshof, Einraffshof, Münchau, Obergeiersnest, Schildeck, Schmittrain, Schönderling, Schondra, Singenrain, Untergeiersnest.
Traditionelle Gottesdienste und Feste gehören zur Kirchengemeinde ebenso dazu wie andere Formen von Spiritualität. Gemeinsam mit der katholischen Nachbargemeinde finden mehrmals im Jahr ökumenische Gottesdienste statt. Obwohl die Kirchengemeinde sehr klein ist, bietet sie ein reiches Angebot an Veranstaltungen dank vieler engagierter Ehrenamtlicher. Hierzu gehören zum Beispiel: Kindergottesdienst, Frauenfrühstück und Seniorennachmittag.
Evangelisches Gemeindehaus (ehemalige Synagoge)
Erstmals im Jahr 1650 sind in Geroda vier jüdische Familien bezeugt. Im Laufe der Zeit wuchs die jüdische Bevölkerung. Vermutlich im Jahr 1717 wurde die erste Synagoge in der Dorfstraße eingeweiht. Nachdem das Gebäude baufällig wurde, konnte 1907 eine neue Synagoge in unmittelbarer Nähe zu Kirche und Pfarrhaus errichtet werden. Eine Tafel rechts neben dem Eingang verweist darauf, sowie auf das Novemberprogrom 1938. Zerstört wurden die Inneneinrichtung sowie Tora-Rollen und Ritualien im Garten verbrannt. Die Gebäudesubstanz hingegen blieb erhalten.
Nach dem Erwerb des Gebäudes wurde es von 1952 bis 1963 von der Evang.-Luth. Kirchengemeinde ausgebaut, war jedoch sehr kalt. Bereits 1967 bestand der Wunsch für weitere Umbauten. Alle Anträge auf Zuschüsse wurden jedoch abgelehnt. Schließlich bauten engagierte Gemeindeglieder in Eigenleistung von 1988 bis 1997 die Synagoge zum Gemeindehaus um. Es wurde eine Zwischendecke aus Holz eingezogen, wodurch eine bessere Beheizbarkeit möglich war. Das Deckengewölbe aus Holz im Obergeschoss ist gut erhalten. Bis 2007 fanden noch die umfangreiche Renovierung der Außenfassade und des Daches statt.
Heute wird das Gemeindehaus rege genutzt für Kindergottesdienst, Konfirmandenarbeit, Seniorennachmittage, diverse Besprechungen usw. Auch andere Gruppen nutzen gerne unser Gemeindehaus, z.B. Theatergruppe, Entspannungskurse, Feiern und Feste oder sogar standesamtliche Trauungen.
Im Juli 1992 wurde die ehemalige Synagoge als Kulturdenkmal vom Bayer. Landesamt für Denkmalpflege anerkannt. Im Gedenken an die ursprüngliche Nutzung wird das Gemeindehaus in Klammern mit dem Hinweis „ehem. Synagoge“ versehen. Jedes Jahr am 9. November entzünden wir eine Kerze vor dem Gemeindehaus und kommen zu einer kurzen Andacht zusammen.













